Der Wisent ( Bison bonasus )

 

Tonnenschwerer Waldbewohner

 

 

Wisente gelten als die größten und schwersten Landsäugetiere Europas. Als Urwildrinder der gemäßigten Zonen Eurasiens sind sie eng mit den Bisons von Nordamerika (Bison bison) verwandt. Beide stammen von Bison silvalensis ab, der fossil in Nordindien entdeckt wurde.

Wisente unterscheiden sich vom Bison durch ihre schmalere, höhere Figur, den weniger behaarten Kopf und einem Fehlen der „Puffärmel“, dem Fellbehang der Vorderläufe, der beim Bison bis zu den Fußgelenken reicht.

Höhlenzeichnungen weisen darauf hin, dass Wisente schon in der Eiszeit von Menschen gejagt wurden. Germanien galt den Römern noch als Wisentland. Im Mittelalter waren die mächtigen Urwildrinder noch weit verbreitet. Verfolgung durch den Menschen und Zerstörung ihrer Lebensräume brachten sie dann aber fast an den Rand der Ausrottung. 1755 starb der letzte Wisent in Deutschland, und die letzten frei lebenden Wisente wurden 1919 in Polen und 1927 im Kaukasus gewildert. Damit wurde diese Tierart in der freien Wildbahn ausgerottet.

Es überlebten aber 54 Tiere in Gefangenschaft.

1923 gründete man die Gesellschaft zum Erhalt der Wisente. Es wurde ein Zuchtprogramm mit nur 12 Gründertieren gestartet.

Das erklärt vielleicht die hohe Infekt- bzw. Krankheitsanfälligkeit dieser so kräftig wirkenden Tiere, denn bekanntlich erhöht „Inzucht“ generell durch verarmtes Erbgut die Krankheits-anfälligkeit und die Fortpflanzungsfähigkeit

Seitdem werden alle Geburten der Wisente weltweit in einem Zuchtbuch erfasst und kontrolliert. Wisente haben also quasi alle einen Stammbaum. Ziel ist, die Art zu erhalten und in den wenigen noch erhaltenen Lebensräumen wieder anzusiedeln. So konnte

1956 im Urwald von Bialowieza, im Osten Polens, dem Gebiet wo der letzte freilebende Wisent den Tod fand, wieder eine kleine Herde freigelassen werden.

Inzwischen gibt es weltweit ca. 3500 Wisente, davon leben ca. 30 Gruppen auch wieder in Freiheit, wobei die größte Wisentgruppe mit 250 Tieren in den Wäldern Bialowiezas auf einer Fläche von rund 50.000 ha lebt.

 

Das größte Wisentreservat Deutschlands befindet sich auf der Halbinsel Damerower Werder bei Waren in Mecklenburg-Vorpommern, einem ca. 320 ha großen Waldgelände.

 

Gründe für das fehlende Vorkommen der Wisente in Westeuropa werden angegeben mit der hohen menschlichen Siedlungsdichte, Land- und Forstwirtschaft, Jagd und Wilderei sowie die zu große Entfernung zwischen den osteuropäischen Auswilderungsprojekten und den potenziell geeigneten Lebensräumen und dem Mangel an Wanderkorridoren.

 

Wisente leben in lockeren Familienverbänden von ca. 20 Tieren, die von einer erfahrenen Kuh angeführt werden, vorzugsweise in Laubmischwäldern mit Wasserstellen zum Trinken, wenn möglich auch mit Sandstellen für Sandbäder. Im Winter bilden sie größere Herden, von denen sich die Bullen im Alter von ca. 4 Jahren absondern, entweder einzeln oder in kleinen Gruppen leben oder sich den Wisentkuhherden anschließen. Der von einer Wisentgruppe beanspruchte Aktionsraum wird mit ca. 1.000 – 6.000 ha angegeben.

 

Die Tiere sind im allgemeinen sehr friedlich, aber die Kühe gelten als angriffslustig, wenn sie Kälber haben.

  

 

Steckbrief:

 

Größe: Bulle bis 2 m Widerristhöhe und 3,50 m Länge, Kuh kleiner.

Gewicht: bis ca. 1000 kg, Geburtsgewicht: 40 kg.

Geschlechtsreife: Kühe: mit 2 Jahren, Bullen mit 4-6 Jahren

Wisentbullen sind erst mit 8 Jahren ausgewachsen und bleiben nur 5 Jahre auf dem Höhepunkt ihrer Kräfte, dann altern sie schnell und verlieren ihre Fortpflanzungsfähigkeit bereits mit 12 Jahren, während Kühe noch im hohem Alter von 20 Jahren gebären können.

Paarungszeit: August-Oktober

Herde: ein Bulle mit 2-8 Kühen

Tragzeit: 9 Monate

Bei der Geburt sondert sich das Muttertier von der Herde ab und schließt sich erst nach 3-4 Tagen mit ihrem Kalb wieder an.

Geburtszeit: Mai-Juli

Jungenzahl: 1 (selten 2)

Nahrung: Laub und Baumrinde von Laubhölzern, Zweige, Knospen, Gras, Heidekraut, Brombeeren. Ein erwachsenes Tier frisst ca. 23- 32 kg Frischmasse pro Tag, im Winter viermal weniger.

Erreichbares Alter: 25 Jahre (Kühe in Gefangenschaft bis 28 Jahre)

Natürliche Feinde: Wolf (nur in Rudeln), Bär.

 

Weltweit lebten 2008 rund 3800 Individuen, ca. 1800 davon frei lebend (2006). 1/3 aller weltweit gehaltenen Wisente, ca. 500 Wisente leben in Deutschland in Zoos und Wildparks. Damit hat Deutschland eine sehr große Verantwortung der Erhaltungszucht dieser interessanten Tierart.