Das Muffelwild

 

Mufflon (Ovis gmelini musimon) – Jagdwild des Barocks

 

Das Muffelwild ist die westlichste und kleinste Unterart des orientalischen Wildschafs (Ovis gmelini) und die Stammform des Wolle gebenden Hausschafes.

Noch bis zum Beginn der Steinzeit gab es im Gebirge Muffel von Süddeutschland bis zum Mittelmeergebiet. Beschneidung der natürlichen Lebensräume und intensive Bejagung rottete diese schönen Wildschafe fast aus, nur auf Korsika und Sardinien konnten Populationen von einigen wenigen, vielleicht hundert Tieren überleben. Ob diese Tiere sich als wirkliche Wildschafe dort erhalten haben, oder vor ca. 7000 Jahren dorthin gebracht wurden, bleibt im Ungewissen.

 

Das Überleben der Muffel verdanken wir Kaiser Maximilians dem II. im Jahr 1566. Er richtete bei Wien einen sog. „Vasen- und Mufflongarten“ ein, denn es galt damals als chic, exotische, jagdbare Tiere zu halten. Alle auf dem Festland wieder existierenden Muffelwildstände gehen auf diese Haltung des Kaisers zurück.

 

In Deutschland wurden Muffel erst um 1700 begehrtes Jagdwild, aber man kreuzte immer auch Hausschafe mit ein, so dass die Bestände nicht reinblütig sind.

 

Steckbrief:

Höhe (Widerrist): ca. 125 cm

Länge: bis 120 cm

Gewicht: 25 - 40 kg (Schaf), Widder: 35-55 kg

Brunft: Oktober/November

Tragzeit: 5 Monate

Junge: 1 x/Jahr im März/April, 1 Junges, selten 2, wiegen bei der Geburt nur ca. 2 kg, werden ca. 6 Monate gesäugt, können der Mutter sofort folgen, mit 2 Jahren geschlechtsreif

Alter: 8-10 Jahre in Freiheit, in Gefangenschaft bis 16 Jahre

 

Typisch: schneckenförmig eingedrehte, bis 80 cm lange Hörner der Böcke, Weibchen haben, je nachdem von welcher Stammform sie kommen, keine oder kleine Hörner, die nach hinten gebogen sind. Hornquerschnitt an der Basis dreieckig. Das Alter der Böcke kann man an den Jahresringen der Hörner ablesen.

 

Vorkommen: Sardinien, Korsika im Gebirge, wiedereingebürgert Deutschland, Österreich, Frankreich, Slowakei und Ungarn (Hauptvorkommen), seit den 80er Jahre auch in Nordamerika und Hawaii.

 

Lebensweise: Mufflons sind Tag- und Dämmerungstiere. Sie bilden meist kleine Rudel mit einem älteren Schaf als Leittier. Im Winter können die Rudel 50 – 100 Tiere umfassen. Bei Gefahr stampft ein wachsames Alttier mit einem Vorderfuß auf und gibt einen Warnpfiff von sich. Die Böcke verhalten sich stumm.

Feinde sind Wolf, Bär, Rotwolf, Luchs und Steinadler für die Lämmer.

Die Rudel lösen sich nach der Brunft auf und formieren sich nach dem Setzen der Jungtiere wieder neu. Böcke bilden außerhalb der Brunftzeit eigene Verbände. Sie kämpfen um die Schafe, vor allem mit Rammstößen der Hörner, wobei sie dabei 10-20 m Anlauf nehmen und sich auch manchmal dabei aufrichten. Das Aneinanderknallen der Hörner kann man kilometerweit hören. Diese Prozedur kann stundenlang dauern!

Das Knallen der Hörner gilt auch als akustische Reviermarkierung, die Widder schlagen dabei die Hörner gegen Baumstämme oder Felsen. Dazu gibt es die Geruchsmarkierung über Drüsenabsonderungen aus der Zwischenzehendrüse.

Im Paarungsspiel folgt der Bock dem Schaf und übt dabei den sog. „Laufschlag“ aus, er klopft sozusagen an.

Muffelwild kann hervorragend riechen und gut hören, der Gesichtssinn ist aber am besten ausgebildet. Die Sehleistung übertrifft die des übrigen Schalenwildes bei weitem.

 

Ernährung: Gräser, Kräuter, Flechten, Knospen, Eicheln, Bucheckern, Kastanien.

 

 

Hast Du gewusst:

dass die Wolle beim Hausschaf durch Züchten von Mufflonvorfahren mit mehr Unterwolle im Vergleich zum Deckhaar entstanden ist?

(Hausschafe stehen sozusagen im „dicken Unterhemd“ da)

Die ursprünglichste Schafrasse sind die noch sehr mufflonähnlichen Soayschafe, die es nur auf den St.Kildainseln in Schottland gibt?