Der Braunbär

 

Meister Petz

 

Mächtig selten: der Europäische Braunbär (Ursus arctos arctos)

 

In Deutschland ist er seit 1835 ausgestorben, der letzte Bär als Überläufer aus Österreich wurde 2006 erlegt, er wurde als „Bruno“ berühmt.

Eines der größten Landraubtiere der Welt findet nicht nur Sympathisanten, und doch kommt immer wieder die Frage auf, ob im dicht besiedelten Europa solch ein Tier Platz hätte. Dabei darf es eigentlich nicht als Raubtier mit anderen Raubtieren verglichen werden, frisst dieses mächtige Tier doch in erster Linie Obst und Gemüse…

 

Steckbrief:

Kopfrumpflänge: 100-280 cm (Widerristhöhe: 90-150 cm)

Schwanzlänge:6-21 cm

Gewicht (im Schnitt, gilt für alle Unterarten): Weibchen: 270 kg, Männchen 500 kg.

 

Paarung: Mai bis Juli, ein Männchen kann sich mit mehreren Weibchen paaren

Tragzeit: beginnt erst mit Eintritt der Winterruhe, 6-8 Wochen

Junge: 1 x/Jahr im Januar bis März. 2-3 Junge. Werden blind geboren, sind nur 340-680 g schwer und werden ca. 4 Monate lang gesäugt, werden aber erst mit 1,5 – 2,5 Jahren abgesetzt und bleiben dann noch bis zu 4 Jahren bei der Mutter. Geschwister bleiben oft noch weitere 2-4 Jahre zusammen. Ausgewachsen sind Braunbären erst mit 10-11 Jahren.

Geschlechtsreife: mit ca. 4,5 Jahren.

Alter: 20-30 Jahre, in Gefangenschaft bis 47 Jahren.

 

Typisch:

Der Europäische Braunbär ist mit keinem anderen Tier zu verwechseln. Ein artspezifisches Merkmal ist der muskulöse Buckel über den Schultern.

 

Vorkommen:

Ursprünglich kamen Braunbären in Nordamerika, Eurasien und Nordafrika vor. Durch Bejagung und Zerstörung des Lebensraumes gibt es in West- und Mitteleuropa nur noch kleine Restvorkommen. Die größte europäische Population ist noch im Gebiet der ehemaligen Sowjetunion zu finden, die zweitgrößte in Rumänien mit ca. 6.000 Tieren. Größere Populationen kommen sonst nur noch im westlichen Kanada, Alaska und Nordasien vor. Weltweit gibt es noch ca. 200.000 Tiere.

 

 

Bären sind bei der Wahl ihres Lebensraumes nicht besonders wählerisch, d.h. sie haben ein großes Anpassungsvermögen. In Europa bevorzugen sie bewaldete Gebirgsregionen. Nötig sind Höhlen für die Winterruhe.

 

Lebensweise:

Dort, wo Bären von Menschen verfolgt werden, sind sie dämmerungs- und nachtaktiv geworden, ansonsten durchstreifen sie Ihr Gebiet den ganzen Tag auf Nahrungssuche, im Sommer allerdings eher nachts.

Während der Wintermonate halten die Petze Winterruhe in selbstgegrabenen oder natürlichen Höhlen. Herzschlag und Atemfrequenz gehen deutlich zurück, die Körpertemperatur hingegen nur um 4-5 °C, so dass die Tiere schnell daraus aufwachen können. Der Beginn der Winterruhe hängt von den Umweltbedingungen ab – satte Bären gehen früher zur Ruhe. Der Gewichtsverlust ist beträchtlich: Weibchen verlieren bis zu 40 % ihres Gewichtes.

Die Höhlen werden jedes Jahr wieder benutzt, aber nicht gegen Konkurrenten verteidigt.

Auch das Territorium wird nicht gegen Konkurrenten verteidigt. Die Größe des Territoriums hängt natürlicherweise von der Nahrungsdichte ab – durchschnittlich kann von 24 km² beim Bärenmännchen und 12 km² beim Bärenweibchen ausgegangen werden, wobei ein Braunbär mehrere Weibchenterritorien durchstreifen kann. Überhaupt sind Braunbären nicht standorttreu, so dass man sicherlich nicht von einem Revier oder Territorium im eigentlichen Sinne ausgehen kann. Vielmehr wandern Braunbären saisonal zu ihren bekannten reichen Futterplätzen – der Lachsfang in Kanada ist weltberühmt, wo sich friedlich einige Hundert Braunbären zum Futtern treffen.

Bären sind zwar Einzelgänger, aber doch relativ verträglich untereinander. Eine dauerhaftere Bindung wird zwischen der Mutter und ihren Jungen geschlossen – Braunbären werden bis zu 2 Jahren gesäugt.

Kommuniziert wird über Laute (seltener) und Körperhaltungen, der Geruchssinn spielt zudem eine gewisse Rolle. Überhaupt ist dieser wesentlich besser ausgebildet als der Gesichtssinn.

Bären können sehr gut schwimmen.

 

Natürliche Feinde: nur für Jungtiere: Wolf, Luchs, Uhu, Steinadler. Erwachsenen Tieren kann nur der Sibirische Tiger gefährlich werden.

 

Gefährlichste Feinde/Einflüsse: Lebensraumzerstörung, Straßenverkehr.

 

Ernährung:

Bären sind Allesfresser, sie ernähren sich hauptsächlich von pflanzlicher Nahrung (Gräser, Kräuter, Wurzeln, Nüsse, junge Zweige, Blüten, Pilze, Obst). Zudem werden Insekten und deren Larven, Eier, Vögel, Mäuse, Hasen, Erdhörnchen u.ä. gefressen. Auch Aas wird nicht abgelehnt. In den Alpen räubern sie auch Kaninchen- und Geflügelställe aus und reißen auch das eine oder andere Schaf, Ziege, Kalb oder Reh, die schlichtweg mit einem Prankenhieb erschlagen werden. Charakteristisch bei solcher Beute ist, dass hauptsächlich die Bauchhöhle eröffnet wird und die Innereien als erstes verzehrt werden.

Hast Du gewusst:

- dass es unmöglich ist, vor einem Bären davonzurennen, da sie bis zu 50 km/h schnell laufen können?

- dass Bären sehr gut schwimmen können?